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Uyuni

Willkommen in der Salzwüste

Salar de Uyuni – der Ort auf Erden, der meine Reiseträume überhaupt erst angestiftet hat. Seit ich in der zehnten Klasse zum ersten Mal ein Bild der Salzwüste in der Regenzeit gesehen habe, wollte ich hierher. Und jetzt war es endlich so weit. Wir hatten Amöben überstanden, Typhus, eine Halsentzündung, Lebensmittelvergiftungen und unaussprechbares anderes Geziefer. Aber das würde es alles wert gewesen sein, wenn ich den Spiegelsee sehen konnte.

Konnte ich aber nicht. Es war nämlich leider noch nicht genug Regen gefallen.

Das wusste ich zu Beginn unserer Tour aber glücklicherweise noch nicht. Ebenso wenig, dass ich mir 48 Stunden später wünschen würde, wir hätten diese Tour niemals angetreten. Also stieg ich voller Euphorie in die Rückbank des Geländefahrzeugs, das uns in den kommenden Tagen durch die Salzwüste befördern sollte.

Zugfriedhof

Um 9 Uhr morgens wurde das Auto in Uyuni mit unseren Rucksäcken und Verpflegung bepackt. Diese war inklusive, ich hätte jedoch auf mich selbst hören sollen, als ich mir dachte, dass es nicht gut sein kann mit ungekühlten Eiern im Kofferraum durch die Wüste zu fahren. Irgendwie denkt man sich aber, dass die Leute schon wissen, was sie tun. Der erste Stopp auf der dreitägigen Tür durch die Wildnis ist der Zugfriedhof. Zum Glück sind die Züge hier nicht begraben, sondern stehen einfach nur verlassen in der Ödnis herum. Sonst würde es ja nicht wirklich etwas zu sehen geben. Wir tingelten ein bisschen zwischen den Tourimassen und Wagons herum und machten natürlich auch brav ein paar Fotos.

Joel auf dem Zugfriedhof

Perspektivisch

Danach folgte schon der Ort, den ich von allen am meisten hatte sehen wollen. Entsprechend groß war die Enttäuschung als klar wurde, dass ich mein Spiegelseebild nicht würde machen können. Es lag minimal Wasser, da der Wind aber relativ stark war, war es unmöglich die kleinste Reflexion zu sehen. Nennt mich eigen, aber das war ohne Zweifel der traurigste Moment auf dieser Reise. Auch die lustigen Perspektivfotos sowie alle anderen Highlights der größten Salzwüste der Welt konnten darüber nicht hinwegtäuschen. Trotzdem konnten wir ein paar coole Bilder machen. Hier erhaltet ihr also auch endlich den Beweis, dass ich Joel nach nicht mal einem halben Jahr Ehe ganz schön auf dem Kopf rumtanze.

Nach dem Krankenhaus…

Zugegeben, unser letzter Beitrag ist lange her aber könnt ihr euch noch erinnern, wie ich schrieb “nach dem Krankenhaus ist vor dem Krankenhaus”? Wir erreichten nach einem Stopp bei einer Kakteeninsel unsere Unterkunft für die Nacht. Ein Hotel erbaut aus Salz. Das war einfach, aber auch cool. Weniger schön war, dass ich nachts wach wurde, weil mein Magen wieder mal verrückt spielte. Manche Leute sind bei sowas ja optimistisch und denken sich, dass es schon nichts schlimmes sein würde. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits all meinen Optimismus im Klo runtergespült.

Ich hielt den Tag aber tapfer durch, immer mit dem Hintergedanken, dass ich ja in knapp 24 Stunden in einer Stadt mit Krankenhaus sein würde – San Pedro de Atacama. Wir fuhren also weiter durch die Wüste, betrachteten lustige Flauschtiere, Gesteinsformationen und Lagunen. Als Kind fand ich die Flamingos im Wuppertaler Zoo immer doof und wäre an denen am liebsten vorbei gerannt. In freier Wildbahn ist das ganze dann irgendwie schon interessanter. Wer etwas Besonderes erleben möchte, sollte zur Paarungszeit vorbeischauen, wenn die Flamingos ihre Lufttänze aufführen.

Schlimmer geht immer

Auch dieser Tag neigte sich dem Ende zu. Wir erreichten die sparsamste Unterkunft unserer gesamten Reise. Nach dem Essen wurde der Strom abgestellt und es ging ab ins Bett. Etwa gegen 3 Uhr in der Nacht stand Joel neben meinem Bett und eröffnete mir, dass er bis dahin nur gekotzt hatte und wohl nirgendwo würde hinfahren können. Als kleine Erinnerung: mir ging es ja selbst nicht besonders gut. Ich machte mich dennoch bei völliger Dunkelheit in Eiseskälte auf den Weg, um meinem Mann zur Seite zu stehen. Ich kann nur sagen, es muss Liebe sein, wenn man jemanden unterstützt, während dieser auf dem Klo sitzt und gleichzeitig in einen Eimer kotzt. Eine Erfahrung, die ich wirklich nicht wiederholen muss. Hilfloser bin ich mir nie vorgekommen, zumal Joel vor Kälte gezittert hat wie Espenlaub.

Nachdem ich einen völlig erschöpften Joel ins Bett manövriert hatte, versuchte ich eine Lösung für das weitere Vorgehen zu finden. Ohne Mobilfunknetz oder anderen Kontakt zur Außenwelt gestaltete sich das jedoch schwierig. Nach mehrfacher Diskussion mit unserem Guide und wirklich toller Unterstützung von unseren Mitreisenden, war dann klar: wir beide bleiben und warten auf den Krankenwagen. Hätte mir zwei Tage vorher jemand gesagt, ich könne den Spiegelsee sehen aber müsse dafür all das in Kauf nehmen, ich hätte liebendgerne verzichtet. Ich legte also ungefähr drei Decken über Joel, der schon im Schlafsack lag aber immer noch bibberte, und fragte mich nur noch, womit wir das verdient hatten.

Zurück nach Uyuni

Sechs Stunden später war der Arzt samt Krankenwagen da. Erleichterung gab es jedoch keine, da der gute Mann kein Englisch sprach und anscheinend auch mit dem Legen eines einfachen Zugangs überfordert war. Müde und besorgt wie ich war hätte ich dem Typen am liebsten eine runtergehauen, als das Blut aus Joels Arm über das Bett lief und er zum dritten Versuch ansetzte. Dann ging es aber los und der längste Tag meines Lebens nahm im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt auf.

Um 19 Uhr kamen wir in Uyuni an. Es erwartete uns ein regelrechtes Empfangskomitee, bestehend aus den Besitzern/Mitarbeitern unserer Agentur und einem weiteren Arzt. Der sprach aber auch nur Spanisch und gehörte auch gar nicht zu dem Krankenhaus, von dem der Krankenwagen gekommen war, weshalb sich mir der Sinn nicht richtig erschloss.

Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker

Wir schilderten ihm also mithilfe einer Translator-App, was geschehen war. Ich erklärte ihm, dass ich Krämpfe hatte und der Gute dachte erstmal ich bräuchte einen Neurologen. Nachdem wir geklärt hatten, dass es sich um Magenprobleme handelt war er dann der Meinung, dass wir wohl nicht ins Krankenhaus müssten, es würde sich wohl nur um eine Lebensmittelvergiftung handeln. Selbst wenn es etwas virales wäre, würde der Körper das ja von alleine regeln. Joel und ich dachten uns, dass wir dem Wahlspruch der Medizin Folge leisten und uns eine zweite Meinung einholen, nämlich unsere eigene. Und die war, dass wir es lieber genau wissen wollten, schließlich waren wir ja jetzt bereits gebrannte Kinder.

Wir gingen also ins Krankenhaus und gaben wie alte Profis unsere Proben ab. Die Ergebnisse am nächsten Morgen hätte ich dem Herrn Doktor gerne auf den Tisch geknallt: Samonellenvergiftung. Das hieß eigentlich stationäre Behandlung, da wir das aber hätten vorstrecken müssen und nicht klar war, ob die Versicherung diese Kosten übernimmt, entschieden wir uns für eine vierstündige Behandlung per Infusion.

Am Rande des Nervenzusammenbruchs kam dann noch eine nette Dame vorbei, die einigermaßen Deutsch sprach (auf freiwilliger Basis und um zu checken, ob es uns gut ging). Wir schilderten ihr unsere Symptome, woraufhin die gute Frau meinte uns sagen zu müssen, dass wir uns ja aber mal nicht so anstellen müssten, ein Transport im Krankenwagen sowie ein Aufenthalt im Krankenhaus wären da doch wohl nicht nötig. Bevor ich ihr die Augen auskratzen konnte, haben wir sie dann über die Diagnose aufgeklärt, woraufhin sie unsere Behandlung dann abgesegnet hat. Die Billigung einer völlig Fremden war uns besonders wichtig, weshalb uns ihr Verständnis sehr erleichtert hat.

Ende im Gelände?

Die folgenden Tage in Uyuni waren entsprechend angespannt. Kurz davor alles hinzuschmeißen, entschied ich mich nach vielen anstrengenden Stunden und einem sehr tränenreichen Telefonat mit meiner Mutter dafür, um Asyl zu bitten. Und zwar in Argentinien. Dorthin begaben wir uns nach einem kleinem Zwischenstopp in La Paz, wo wir uns hauptsächlich selbst bemitleidet haben. Wie unser Asyl gelaufen ist und was wir so erlebt haben erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag 🙂

P.S.: Das Ganze ist mittlerweile zwei Monate her (kommt mir vor wie Jahre) und auch wenn ich mich beim Schreiben wieder sehr gut in diese schlimmen Stunden hineinversetzen konnte geht es uns mittlerweile in Neuseeland hervorragend und wir sind froh, dass wir weitergefahren sind. Nur falls ihr euch Sorgen macht.

 

6 Kommentare zu “Uyuni

  • Oliver G. 20. Januar 2019 at 5:24 Antworten

    Ein freundliches Hallo in die Vergangenheit von vor zwei Monaten,

    nach Südamerika, gegen dessen Gefahren man sich offensichtlich weder wappnen noch impfen kann 🙁

    Erst Eier durch die Wüste fahren und dann eine Salmonellenvergiftung zu erleiden, da ist hoffentlich kein Zusammenhang!

    Inzwischen geht es euch hoffentlich deutlich besser, wo ihr den Anden den Rücken gekehrt habt!

    Salzwüsten hatte ich bisher mit Nordamerkika und Afrika in Verbindung gebracht, Uyuni sagte mir gar nichts, als wieder etwas von eurer Weltreise gelernt 🙂

    Das Foto von Joel vor den Zügen hat einen wirklich schönen Kontrast, könnte auch Tatooine sein 😉

    Diese hübschen Perspektivefotos gehen natürlich nur in klarer Luft, sind wirklich schön geworden 😀 Mindestens zwei Filmthemen verarbeitet: Godzilla und Peter Pan 🙂

    Hotel aus Salz und dann Magenprobleme, vielleicht war das Salz ja auch nicht gut. Glaubersalz ist ja auch nicht zum Würzen der ungekühlten Eier gedacht 😉

    “die einigermaßen Deutsch sprach (auf freiwilliger Basis und um zu checken, ob es uns gut ging).” Deutsch zu sprechen gilt dort als Therapieform?!

    Argentinischer Cliff-Hanger … bin gespannt 🙂

    • Joel 25. Januar 2019 at 3:45 Antworten

      “Uyuni sagt mir gar nichts”, überrascht mich aber. Ich dachte ich hätte den Ort als Ursprung für die Reisepläne genannt. Zum Glück hat Jenni entdeckt, dass es in Utah ebenfalls einen solchen See gibt, sodass wir für ein Spiegelsee-Foto vermutlich nicht nochmal nach Bolivien müssten.

      Ja klar, deutsch sprechen hilft generell. Ist vergleichbar mit Elefanten streicheln oder mit Delfinen schwimmen.

  • Darilein 20. Januar 2019 at 16:26 Antworten

    Ja, ich habe mir Sorgen gemacht! Das war irgendwie bisher der schlimmste Post… Ich bin sehr froh, dass es euch wieder gut geht! Kann doch echt nicht sein, dass ihr so einen Scheiß mitmachen musstet!
    Die Spiegelsee- Bilder haben mich allerdings echt geflasht!

    • Joel 25. Januar 2019 at 2:29 Antworten

      Mit so einer Erfahrung haben wir auch nicht gerechnet, aber wir haben es immerhin überstanden.
      Wenn wir wieder in Deutschland sind, zeigt Jenni dir bestimmt gerne mal ein Spiegelsee-Bild, wenn genug Regen gefallen ist. Unsere trockenen Bilder sind definitiv cool, aber auch für mich sind die Spiegelbilder noch schöner.

  • AKH 20. Januar 2019 at 18:06 Antworten

    Das klingt aber alles echt sch…! Gut, dass das hinter Euch liegt und danke für die Aussicht auf bessere Tage und Berichte mit erfreulicherem Inhalten als die letzten! Ich wünsche Euch, dass Ihr Euren Optimismus wiederfindet und morgens wieder voll freudiger Erwartung aufwachen könnt!

    • Joel 25. Januar 2019 at 2:23 Antworten

      Danke! Da wir uns sicher waren/sind den absoluten Tiefpunkt unserer Reise in Uyuni erreicht zu haben, ging es seitdem steil bergauf. Allerdings weiß ich nicht, ob ich jemals besonders optimistisch war 😀

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