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La Paz

Südamerika 2.0

Cusco war die letzte Station auf unserer Perurundreise. Für uns ging es Mitte November daher weiter nach Bolivien, genauer gesagt La Paz. Wir nutzten wiedermal den Nachtbus, dieses Mal zur Überquerung der Ländergrenzen. Etwas nervig dabei ist, dass man morgens dann erstmal zwei Stunden dumm rumsteht, wenn man nicht zufällig auch eine Bootstour über den Titicacasee machen möchte. Joel hat die Zeit genutzt, um die Gegend zu erkunden, während ich im Bus weiter geschlafen habe.

Copacabana

Wer jetzt denkt, wir wären einmal falsch abgebogen: nein, nicht die Copacabana in Brasilien (obwohl ich da auch nichts gegen gehabt hätte). Die Stadt Copacabana liegt am Titicacasee. In Huaraz hatten wir ja schon gedacht, hässlicher könnte eine Stadt nicht mehr sein aber wir hatten uns offensichtlich getäuscht. Besonders toll ist auch, dass man in Bolivien immer das Gefühl hat man läuft bergauf – egal in welche Richtung es geht.  Genauso wie in Langenberg.

Wir hatten diesen Stopp aber zum Glück nur eingelegt, um nicht länger als 24 Stunden am Stück im Bus verbringen zu müssen – und natürlich, um sagen zu können, dass wir am Titicacasee waren (schließlich ist der Titicacasee der höchstgelegene See der Welt). Denn so tickt die Generation X eben. Oder sind wir schon Y? Ich hab das nie ganz verstanden.

La Paz

Am nächsten Tag ging es am frühen Nachmittag für uns mit dem Bus weiter nach La Paz. Dazu mussten wir zwischenzeitlich über den See setzen und dazu den Bus wieder verlassen. Dieser wurde separat verschifft. Etwas Vertrauenerweckenderes habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Von Weitem erweckte das Szenario einfach den Eindruck als würde unser Bus auf einem riesigen Floß auf die andere Seite transportiert werden. Damit konnte ich mich aber nicht weiter beschäftigen, da ich als einer der kleineren Mitreisenden in einer winzigen Kammer an der Vorderseite eines kleinen Holzbootes hockte und inständig hoffte, dass wir nicht untergehen würden.

Wir haben es – allen Zweifeln zum Trotz – auf die andere Seite geschafft. Unser Bus im Übrigen auch, sodass wir die Fahrt in Richtung des Regierungssitzes Boliviens fortsetzen konnten. Wir erreichten unser Ziel am späten Abend und bezogen unser Hostel-Zimmer, wo ich erstmalig in meinem Leben in einem dreistöckigen Bett schlafen durfte. Natürlich ganz oben! Ein Tag der Superlative.

El Alto

Wir entschieden uns am nächsten Morgen für eine Free-Walking-Tour, die von unserem Hostel angeboten wurde. La Paz liegt auf ca. 3600m über dem Meeresspiegel. Wer von A nach B kommen möchte kann die Stadt natürlich ausschließlich laufend erkunden, was bei rund 400m Höhenunterschied jedoch nicht zu empfehlen ist. Stattdessen nutzten wir der/die/das Teleferico, die Schwebebahn der Stadt. Im Prinzip sieht das aus, wie eine Bergbahn, mit dem klitzekleinen Unterschied, dass das hier eben ein normales Transportmittel ist.

Nachdem wir einen ersten Blick auf das Panorama der Anden erhaschen konnten – La Paz wird eingesäumt von den Bergmassiven des Huayana Potosi und des Huayana Illimani –  machten wir uns auf den Weg zum El Alto. So heißt einerseits der Flughafen der Stadt, andererseits der riesige Wochenmarkt. Mit riesig meine ich unfassbar riesig. So riesig, dass man vom Teleferico aus die Dimensionen nicht vollständig erfassen konnte. Ohne Guide hätten wir uns hoffnungslos verlaufen.

Kaufen kann man dort prinzipiell erstmal alles. Möbel, Autoteile, Früchte, Kleidung und – besonders eindrücklich – Haustiere. Ob Nagetiere oder plüschige Welpen, für knapp 15€ könnt ihr hier jedes Tier erwerben, nach dem euch der Sinn steht. Als wir an Hunderten von Käfigen mit Welpen und Katzenbabys vorbeiliefen, wars für mich mit dem Spaß aber vorbei. Da versteht man auch, woher das Problem mit den ganzen Straßenhunden kommt.

Wer dann noch Lust hatte, konnte zum Frauenwrestling gehen. Allerdings läuft das nicht wie bei der WWE, dass Frauen sich in Bikinis o.Ä. durch den Ring wälzen, sondern hier wird in traditioneller Bekleidung gekämpft. Wir haben verzichtet und stattdessen ein entspanntes Abendessen im Higher Grounds mit unseren Schweizer Freunden genossen.

Reisespeisetipp:Higher Grounds

Gemütlich bei Kaffee und Kuchen sitzen oder ein leckeres Abendessen genießen: das geht im Higher Grounds. Auf Plastik wird so gut es geht verzichtet und die Gerichte werden möglichst regional gestaltet. Meine besondere Empfehlung ist der Curry Chicken Wrap.

Wie gewonnen, so zerronnen

Erinnert ihr euch, dass ich Cusco den Anfang vom Ende nannte? Wir wollten in La Paz eigentlich nur ein paar Tage verbringen. Denn obwohl die Stadt wirklich interessant ist, hatten wir noch größere Pläne. Ich träumte noch von Patagonien, als wir unseren Aufenthalt erstmalig verlängerten, weil Joel sich nicht gut fühlte. Die Diagnose lautete Halsentzündung. Wir blieben also ein bisschen länger.

Den Bus buchten wir dann für Donnerstagabend. Da Joel sich sicherheitshalber noch ein wenig ausruhen wollte, machte ich mich alleine auf den Weg zum Busunternehmen. Insgesamt war ich, da ich zu Fuß ging, knapp 1,5h unterwegs. Umsonst, denn leider konnten wir den Bus dann nicht nehmen. Wie bereits bekannt ist, wurde ich in dieser Nacht von den übelsten Magenschmerzen meines Lebens geweckt. Ich kann immer noch nicht so recht glauben, dass bei der Untersuchung nichts festgestellt werden konnte. Da hab ich mich wegen einer einfachen Lebensmittelvergiftung aber ganz schön angestellt.

Glücklicherweise waren wir dank meiner Dreifach-Infektion aber immer noch paranoid genug, um Joel vorsichtshalber auch noch untersuchen zu lassen. Lustigerweise, hatte der dann einen Parasiten, dessen Namen wir nicht mal aussprechen können. Das hieß wieder Antibiotika und nochmal drei Tage La Paz für uns. In diesem Zeitraum wurde die glorreiche Idee des Erreger-Bingos geboren. Zum jetzigen Zeitpunkt steht es jedoch unentschieden.

Kleiner Funfact am Rande: Unsere Versicherung hat uns mittlerweile schon gefragt, ob unsere ganzen Rechnungen von EINER Erkrankung stammen oder diese wirklich unabhängig voneinander sind. Ist aber natürlich auch irgendwie verständlich, wenn allein aus La Paz drei Rechnungen von zwei Daten eintreffen.

Da bei uns schon fast der 30.12. ist, wollen wir natürlich nicht vergessen euch allen ein frohes neues Jahr zu wünschen. Wir haben euch lieb und freuen uns auf ein Wiedersehen in 2019! Bis dahin – haltet die Ohren steif!


6 Kommentare zu “La Paz

  • André u Heike 29. Dezember 2018 at 19:46 Antworten

    Danke für eure Berichte. Und es ist gut, dass man manche Dinge erst im Nachhinein erfährt…
    Wir wünschen euch eine super schöne Zeit auf der anderen Seite der Erde.
    Grüße an Lena u Max.
    Kommt gut in das neue Jahr 😉
    Und… wir freuen uns auch schon auf das Wiedersehen in 2019.

  • Oliver G. 30. Dezember 2018 at 5:03 Antworten

    Einen guten Morgen in die Anden,

    “ein stetig gekämmter Igel hat mindestens einen Glatzpunkt”, was so viel heißt, dass man sowohl in Bolivien als auch in Langenberg an einem Punkt die Spitze erreicht hat. Schöner Vergleich zu letzterem Ort, so kann man sich gleich richtig vorstellen, dass die Straße in der einen Richtung hoch geht, in der anderen Richtung, wenn man den gleichen Weg zurück geht, schon wieder hoch geht, und man mit dem Verstand schüttelt 🙂

    Was die Generationen angeht, so ist das ganz einfach: Jenni ist Generation XX, Joel XY 😉

    Bei dem Sonnenuntergang über dem See finde ich die kleinen Hausboote sehr beeindruckend. Zuerst dachte ich an eine weitere Seelöwenrotte oder so, aber nein, es sind gleich aussehende Boote *staun*

    Auf zum Regierungssitz! Die einen haben die Kanzlerinnen-U-Bahn, die anderen das Präsidenten-Floß 🙂 Regierungssitz? Das macht stutzig, wenn das genannt wird … kleines Nachgucken später, tatsächlich, La Paz ist nicht die Hauptstadt. Ist ja wie in den Niederlanden, die haben Regierungssitz und Hauptstadt auch getrennt 🙂

    Ein dreistöckiges Bett findet man sonst nur im Märchen, nämlich bei der Prinzessin auf der Erbse, also zumindest von der Höhe her! Das ist schon etwas ganz Besonderes 🙂

    Die Teleferico gefällt mir 🙂 Oh, die ist ja noch gar nicht so alt, Mai 2014 wurde die erste Strecke eröffnet, gebaut von Österreichern. Die kennen sich mit Gondeln ja aus (oder waren das die Venezianer?!)

    Bei dem Chicken Curry Wrap würde mich interessieren, ob das Wrap wirklich gebraten war?! Das sieht so bleich aus, als wären es von der neuesten EU-Verordnung getroffene Pommes *rätsel*

    Nachdem für den Titicacasee noch die Bezeichnung: “Das Drecksloch in den Anden” zu finden war, wundert mich nicht, dass ihr euch schon wieder Dinge eingefangen habt, auch wenn ihr es überhaupt nicht verdient und mein ausgesprochenes Mitleid habt!

    Ah, ihr habt die Datumsgrenze überschritten, und damit einen Filmriss von 24 Stunden? 😀

    Die Ohren steif zu halten ist bei dem ganzen Mitfühlen mit euren Infektionen nicht einfach, man schlackert eher damit 😉

    Einen guten Rutsch über die Jahresgrenze, alles Gute und ganz viel Gesundheit für 2019 und herzliche Grüße zu den Antipoden!

  • Dorothee 31. Dezember 2018 at 12:42 Antworten

    Hallo Ihr Beiden

    dann kann man ja nur hoffen, dass Neuseeland – wo ihr ja inzwischen wohl gelandet seid – für eure Innereien eine wahre Labsal sein möge. Man kann doch nicht nur von Lebensmittelvergiftungen und Antibiotika leben. Wir wünschen euch mal eine richtig leckere Mahlzeit, die einfach nur bekömmlich ist!!!
    Aber jetzt: Kommt gut ins neue Jahr, das euch freundlicher begegnen möge als das alte geendet hat. Wir sind espannt auf nächste Berichte und Bilder.
    Viele liebe Grüße aus Hattingen
    von Doro und Johannes

  • Unser Weltreisli 14. Januar 2019 at 12:11 Antworten

    Ich glaube, wir müssen das Käsefondue durch den Curry Chicken Wrap ersetzen ? Ich werde mal ein bisschen an der Sauce und den richtigen Zutaten feilen ? Liebe Grüsse aus Rio, Andrea und Patrick

    • Oliver G. 20. Januar 2019 at 4:53 Antworten

      Nun, da wäre ich aber enttäuscht, ich durchsuche doch beide Blogs immer mal wieder nach dem Fondü bzw. den dokumentierenden Fotos! Kurierte Hühnchen im Teigmantel klingt jetzt eher nach Standard, ein echtes schweizer Käsefondü dagegen, das ist für deutsche Verhältnisse wirklich exotische Küche, nach der man in anderen Ländern lange suchen muss! 🙂

  • Pingback: Uyuni - Guineveres Reisen

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