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Arequipa

Die weiße Stadt

Arequipa – die weiße Stadt. Obwohl das Stadtbild der wohl schönsten Metropole Perus durch weißen Vulkanstein geprägt ist, sieht es dort nicht wirklich aus wie in Gondor. Trotzdem finde ich den Vergleich passend, nicht zuletzt weil ich einfach eine Herr-der-Ringe-Analogie einbringen wollte. Außerdem zeichnet sich das historische Zentrum der Stadt durch koloniales Flair aus. Insbesondere die kleinen mit künstlerisch verzierten Holzstäben gestalteten Balkons verleihen dem Stadtbild zusätzlichen Charme.

Arequipa liegt auf 2300m über dem Meeresspiegel im Süden des Landes. Das Klima ist mild und meist sonnig, weshalb es wirklich Spaß macht sich dort aufzuhalten.

Schlaraffenland Arequipa

Das wohl Beste an Arequipa? Das Essen. Ich bekam mehr und mehr das Gefühl, dass Arequipa die Stadt ist in die jeder will: die Stadt ist sauber, hübsch anzuschauen und an etwa 300 Tagen im Jahr scheint die Sonne. Entsprechend werden Touristen wie magnetisch angezogen. Ob das nun der Grund ist oder nur meine mir zurecht gelegte Erklärung, Arequipa beheimatet ohne Zweifel mit die besten Restaurants. Da wir unternehmungstechnisch aus bekannten Gründen etwas eingeschränkt waren, haben wir uns daher vor allem mit kulinarischen Gaumenfreuden beschäftigt. Naja oder jedenfalls ich, denn Joel war zu diesem Zeitpunkt essentechnisch etwas eingeschränkt.

Unser erster Weg in einer neuen Stadt führte uns wie immer in ein Restaurant. Wir entschieden uns für die #1 auf TripAdvisor: die Pastacanteen.

Reisespeisetipp #1: Pastacanteen

Schwer zu glauben, die Pastacanteen serviert Nudelgerichte. Wählen kann man zwischen dem Tagesmenü oder einer eigens zusammengestellten Kombination. In letzterem Fall wählt man zwischen drei Nudelsorten, drei Saucen und verschiedenen Toppings, wie z.B. Cherrytomaten, Fetakäse oder Bacon. Der Preis ist super und als Vorspeise bekommt man sogar einen kleinen Schüttelsalat im Glas sowie Brot gereicht.

Do you know this Wizard?-Plakat

Besonderes Highlight: da wir in der Woche zum Reformationstag (Halloween) dort waren, gab es in Zusammenarbeit mit “La Petit Francaise” ein Harry-Potter-Special. Eine Woche lang wurden verschiedene Themenabende rund um die magische Welt des Jungen, der überlebt hat, veranstaltet: Trivia-Quiz, Bingo, was das Herz begehrt. Ich hätte jeden Abend dort verbringen können aber leider war es immer ziemlich voll. Wenigstens hat sich aber so der Kauf des Dobby-Shirts schon gelohnt, ich konnte mich entsprechend nerdmäßig kleiden.

Reisespeisetipp #2: El Buda Profano

Sushiplatte bei el Buda profano

El Buda Profano bietet veganes Sushi an. Was sich zunächst vielleicht komisch anhört, war tatsächlich sehr sehr lecker. Eine gute Option sind die Probiervarianten, bei denen die Küche eine Auswahl der Sushivarianten zusammenstellt. zusätzlich bekommt man eine Misosuppe und ein Getränk. Wer sich unter Veganer Sushi nichts vorstellen kann, weil zum Sushi ja schließlich immer Fisch gehört, wird hier eine Überraschung erleben.

Reisespeisetipp #3: Hatunpa

An einem Kartoffelrestaurant kommt man in Peru natürlich nicht vorbei. Hatunpa bietet sieben verschiedene Kartoffelsorten mit verschiedenen Dopings an. Joel und ich haben hier zum ersten Mal Alpaca probiert und müssen sagen, es schmeckt gar nicht schlecht. Wer die kuschligen Vierbeiner lieber nicht essen möchte, kann auch eine der vielen vegetarischen Varianten wählen. Kleine Zusatzinfo: Besonders unterschiedlich schmecken die Kartoffeln nicht. Selbst die lilane hat keinen besonders eigenartigen Geschmack.


Für den kleinen Hunger #1: La Petit Francaise

Was können die Franzosen am besten? Richtig: Crêpes. Passend zur Harry-Potter-Themenwoche konnte bei La Petit Franchise einen Fleur Delacour bestellen. Ich entschied mich für die Strawberry-Cheesecake-Variante aber es gibt auch durchaus ausgefallenere Exemplare, mit Oreokeksen oder anderen Leckereien.

Für den kleinen Hunger #2: Choqchao

Chocolate Cake ChoqchaoDesserts aus handgemachter Schokolade, der schokoladigste Kakao, den ich je getrunken habe. Das alle gibt es bei Choqchao. Wem das noch nicht genug des Guten ist, der kann hier auch einen Schokoladenworkshop machen. Mir war nach einem Stück sehr leckeren Kuchens und einer Tasse super schokoladigen Kakaos aber schon schlecht.

Wir haben natürlich auch noch was anderes gemacht als zu essen. Naja eigentlich nicht wirklich viel aber trotzdem.

Free Walking Tour

Den Montag nutzte ich dazu eine Free Walking Tour durch Arequipa mitzumachen. Da es Joel nicht so gut ging, machte ich mich erstmals seit fast drei Monaten alleine auf die Socken. Die Tour war für meinen Geschmack mit drei Stunden viel zu lang.

Wir starteten beim bereits erwähnten Choqchao, wo jeder zur Begrüßung einen Schokotee erhält. Wer jetzt denkt, dass das eklig klingt hat eine gute Intuition. Der Tee riecht zwar himmlisch nach Schokolade, schmeckt aber irgendwie nur ein bisschen bitter und sonst nach nichts. Nicht mein Fall. Im Anschluss führte uns unser Guide durch die Stadt.

Yak ak Katan

Wie immer habe ich nur einen Bruchteil der Informationen über Arequipa behalten aber ein paar wirklich lustige allgemeine Infos waren diesmal dabei. Es ging viel um die Kolonialzeit und die Besiedlung Mittel- und Südamerikas durch die Spanier. Natürlich sprach zu dieser Zeit niemand dort Spanisch, sondern Quechua oder andere Sprachen. Noch heute werden beispielsweise in Peru anscheinend über 40 verschiedene Sprachen gesprochen. Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass es zu einigen Missverständnissen gekommen ist, die heute für Erheiterung sorgen können.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Spanier, als sie in Mexiko ankamen, den Namen erfahren wollten, den die Maya derjenigen Region gaben, die wir heute als Yucatan kennen? Angeblich antworteten die Befragten eben mit “Yak ak Katan”, was sich übersetzen lässt mit “ich weiß es nicht” oder “ich spreche deine Sprache nicht”. Die Spanier dachten aber dies sei der Name des Landes auf dem sie sich befanden. So nennen wir heute eine mexikanische Region “ich weiß es nicht”.

Colca Canyon

Die Colca Canyon Tour musste ich ebenfalls alleine antreten, da Joel leider anderweitig beschäftigt war. Also wartete ich um 2:45Uhr in der Nacht darauf, dass mich der Bus abholen würde. Die Fahrt in den Colca Canyon dauerte etwa drei Stunden. Während dieser Zeit versuchte ich vergeblich zu schlafen. Gegen 6:00Uhr in der Früh erreichten wir die ersten Dörfer der Colcaregion: Chivay und Yanque. Von da an wurden wir immer mal wieder aus dem Bus geschmissen, um Fotos machen zu können oder die peruanische Wirtschaft zu unterstützen. Die Landschaft war schön, jedoch war die Art der Tour insgesamt nicht unbedingt meins.

Der erste Stopp war ein kleiner Markt, der touristischer nicht hätte sein können. Die klassisch gemusterten Pullover sowie andere Souvenirs an jeder Ecke. Das coolste war Monika, das formidable Alpaka. zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht viele Alpakas gesehen, das war also noch etwas besonderes.

Weiter ging es zum Cruz des Condor, einem Aussichtspunkt von dem aus man Kondore beobachten konnte. Ich persönlich bin ja nicht so ein Vogelfreund (abgesehen von Pinguinen, denn jeder liebt Pinguine). Interessant fand ich aber die Information, dass Kondore anscheinend sehr romantische Tiere sind. Sie “verlieben” sich nur einmal. Wenn der Kondorpartner dann schließlich irgendwann das Zeitliche segnet, begehen manche Kondore Selbstmord, indem sie gegen eine Felswand fliegen. Ich hab kurz überlegt, ob ich da als Therapeutin vielleicht meine Nische finden kann. Dann ist mir wieder eingefallen, dass ich Vögel gruselig finde.

Ein weiterer Stopp waren die heißen Quellen. Da sich in dieser Region aktive Vulkane befinden, gibt es einige solcher Etablissements. Allerdings hatte ich mir das irgendwie schöner, natürlicher vorgestellt. Es handelt sich hierbei allerdings nicht zwangsläufig um natürliche Becken. Trotzdem war das eine ganz coole Sache.

Auf der Rückfahrt ergaben sich dann erste Anzeichen des bevorstehenden Übels. Mein Magen spielte verrückt. Aber alles zu seiner Zeit.

Mundo Alpaca

Am Mittwoch ging es Joel besser und wir nutzten den Tag, um ins Alpacamuseum zu gehen. Der Eintritt ist kostenlos. Das Highlight ist natürlich, dass man Alpacas füttern kann. Man lernt aber auch allerlei über die Verarbeitung der Wolle und die verschiedenen Wollarten.

Die feinste Wolle liefert zum Beispiel das Vicuna. Geschoren wird bei dieser Art nur der Rücken. Um 1 Kg Wolle zu gewinnen, müssen etwa 4-5 Tiere geschoren werden. Von jedem Tier gewinnt man gerade einmal ein handflächengroßes Stück feinster Wolle. Das führt dazu, dass ein Schal aus Vicunawolle um die 1000$ oder sogar mehr kosten kann. Die Alpacawolle ist am verbreitetsten. Auf den Textilmärkten Perus erzählen einem die Verkäufer gerne, dass die Waren aus 100% oder 70% Alpacawolle bestehen. Wir glauben das nicht. Alpacawolle ist zwar deutlich günstiger als die des Vicunas, dennoch scheint es fraglich, dass man einen Alpacapullover für umgerechnet 5€ erwerben kann.

Dazu eine lustige Anekdote, die mir ein Mitreisender auf der Colca Canyon Tour erzählt hat: die meisten Touristen sind ja nicht blöd und haben mittlerweile gemerkt, dass nicht überall wo Alpaca draufsteht auch Alpaca drin ist. Da viele Händler mit Baby Alpacawolle werben, produziert eine Firma jetzt Textilien mit der Werbung: Maybe Alpaca. Das finde ich so lustig, dass ich schon wieder investieren würde.

Vielen Dank fürs lange Warten! Wir hoffen wir haben unseren geistreichen Witz und unsere Begeisterung am Schreiben trotz unserer Frustration nicht verloren 😀 wir bemühen uns auch mal wieder um etwas mehr Regelmäßigkeit. Weiter gehts in Cusco.

2 Kommentare zu “Arequipa

  • Oliver G. 2. Dezember 2018 at 5:30 Antworten

    Hallo Jenni und zeitweilig verhinderter Joel,

    vom Herrn der Ringe direkt zu Harry Potter, das ist ja mal ein Wechselbad der Erlebnisse, das man wohl nur im Schlaraffenland haben kann. Letzteres ist dann das dritte Märchen 😀

    Sehr viel Essen, ganz viel ausprobiert, Sushi auch noch … Nachtigall, ich hör’ deinen Darmtrakt grummeln 😉

    Nichtsdestotrotz sieht das auf den Bildern alles sehr verführerisch aus!

    Pastacanteen finde ich super! Ich habe doch etwas Zeit gebraucht, das Wort zu verstehen, da ich es erst so Pseudospanisch als Pas-Ta-Kann-Tehn ausgesprochen hatte … 😀

    Dass bei den Franzosen sogar das Nutellaa WiFi hat, hätte ich allerdings nicht gedacht! 😉

    Der Mythos des “Das habe ich jetzt nicht verstanden” wird euch dann wohl in Australien bei den Kangurus wieder begegnen …

    Oh! Es ist Schokoladentee auf dem Foto! Gut, dass das dran steht, ich dachte schon, es wäre ein Notlösung, weil man mal ebend dringend, … Und schon ist das Bild im Kopf >;->

    “Die Colca Canyon Tour …”, “Die Fahrt in den Cola Canyon …” Na, was denn jetzt? Colca oder Cola? Kann ja in Südamerika beides sein!

    “El Condor Pasa” fällt mir dazu ein. Der übliche Mythos hat nichts mit einmal verliebt sein zu tun (das sind angeblich Tauben), sondern mit dem zu alt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die einfach nur mit Herzinfarkt vom Himmel fallen oder durch einen Seitenwind gegen die nächste Felswand geworfen werden, ist schon nicht so gering. Die Wissenschaft arbeitet derzeit in einem auf lange Jahre angelegten Programm an der Aufarbeitung dieses Mythos. Trotzdem solltet ihr in der Zwischenzeit vielleicht nicht gerade Condor fliegen … 😉

    Das Foto mit dem Becken und der Brück im Hintergrund ist mein liebstes aus dem Post. Den Vulkan dagegen musste ich erst suchen. Dachte mir, dass sind doch nur aufeinandergestaptelte Steine, wie soll das denn ein Vulkan sein?! Auch hier wieder ist die gute, alte Nasca-Platte im Spiel 🙂

    Interessant! Alpacas und Joel haben ungefähr die gleiche Kopfgröße und Frisur! 😀 😛 😉

    Eure Posts begeistern weiterhin ganz ungebrochen! 🙂 🙂 🙂

    P.S: Nachdem ich gestern Ant-Man and the Wasp gesehen habe, habe ich dort sogar eure Schlangenlinienstraße in San Francisco wieder erkannt 🙂

    • Oliver G. 4. Dezember 2018 at 16:19 Antworten

      “Die Fahrt in den Colc Canyon” … das hat es jetzt nicht grundlegend verbessert! 😉

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