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Ica

Ein Hauch von 1001 Nacht

Dazu sind wir nicht in den Orient gefahren, sondern einfach in die Wüste. Wer das volle Wüstenfeeling möchte, der bucht am besten eine Unterkunft in Huaccachina selbst. Wir konnten allerdings nicht so vorausschauend planen und sind deshalb in einem Hostel in der 15 Minuten entfernt liegenden Stadt Ica gelandet.

Ica

Wie bereits im Zusammenhang mit Paracas erwähnt, ist die Region Ica eines der berühmtesten Weinanbaugebiete Perus. Entsprechend nahe liegt die Tatsache, dass man in der Stadt Ica an jeder Ecke Weintouren angeboten bekommt. Der andere Tourismusmagnet für Ica ist die nahegelegene Oase Huaccachina. Hier kann man die Wüste in all ihrer Schönheit betrachten und darüber hinaus auch ein bisschen Action erfahren. Aber dazu später mehr.

Wir kamen am Abend in Ica an und außer einer Dusche hatten wir nicht mehr viel im Sinn. Es war schließlich immer noch derselbe Tag an dem wir um 6:30Uhr in Paracas aufgestanden waren um die Islas Ballestas in Paracas zu besuchen. Meine Laune sank dazu etwas in den Keller, da ich einen unserer Steckdosenadapter verloren hatte. Anscheinend war der im Bus aus meiner Tasche gefallen. Joel, der Arme, musste mir den ganzen Abend versichern, dass mich das nicht zu einem schlechten Menschen macht.

Lustigerweise stellte Joel am nächsten Morgen fest, dass er sein Handy-Ladegerät in Paracas im Hostel vergessen hatte. Ihr könnt euch vorstellen, dass das nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Stimmung beigetragen hat. Wir haben unseren ersten Tag in Ica daher damit verbracht ein neues Ladegerät zu kaufen und dabei ein bisschen die Stadt zu erkunden, die wirklich gar nicht so schön ist. Vor allem der Verkehr lässt einen um das eigene Leben fürchten.

Huaccachina

Statt einer Weintour buchten wir eine Sandbuggy-Tour inklusive Sandboarding. Denn seien wir mal ehrlich, wer in Trier studiert hat, ist von anderem Wein nur schwer zu beeindrucken. Am Nachmittag wurden wir also von einem kleinen Bus abgeholt und nach Huaccachina transportiert. Ich saß hinten in der Mitte, worüber ich froh war, da ich so vom Straßenverkehr nicht viel mitbekam. Joel war nur froh, dass sich vor ihm kein Sitz befand, denn Peruaner haben wohl nicht die höchste Durchschnittsgröße, weshalb hinter einem Sitz nur ein Hobbit sitzen kann. So jemand wie ich.

In Huaccachina angekommen hatten wir erstmal eine Stunde Zeit zur Verfügung. Wir nutzten diese, um die Oase zu umrunden und eine Sanddüne zu erklimmen und damit einen ersten Blick auf die Wüste zu erhaschen. Joel und ich kamen zu der Übereinkunft, dass wir den Ort Huaccachina irgendwie trostlos finden. Zum einen hängt das damit zusammen, dass der ganze Ort nur darauf ausgelegt ist, Touristen zu bedienen – Hotels, Restaurants, Souvenirshops, Tourenanbieter. Zum anderen haben wir erfahren, dass die Oase mittlerweile künstlich aufgefüllt werden muss, um nicht zu vertrocknen. Das nimmt dem ganzen Ort doch irgendwie seinen Zauber.

Sandbuggy-Tour & Sandboarding

Eine Stunde später fanden wir uns im Büro unseres Tourenanbieters wieder. Dieser führte uns anschließend zu unserem Sandbuggy. Dabei handelt es sich im wesentlichen um ein ziemlich großes Geländefahrzeugen mit 4×4 Sitzen. Sie machen sehr viel Lärm und verbrauchen wahrscheinlich eine Unmenge an Sprit. Joel und ich nahmen hinten Platz und schnallten uns vorschriftsmäßig an. Und dann ging es los. Der Fahrer düste über die Dünen hinweg und die steilsten Abhänge hinunter. Dabei wird man ordentlich durchgeschüttelt.

Irgendwann hielten wir an. Unser Fahrer kramte Sandborards aus dem “Kofferraum” und erklärte uns – auf Spanisch – was zu tun sei. Wer jetzt die Vorstellung hat, dass wir wie coole Snowboarder eine Sanddüne runter gedüst sind, der liegt komplett daneben. Als Anfänger legt man sich bäuchlings auf das Board und gleitet dann die Düne hinab. Unsere Erfahrung: Was von oben ziemlich spektakulär aussieht, ist tatsächlich gar nicht so spannend. Man wird zwischendurch zwar relativ schnell aber durch die Reibung bremst das Brett auch ziemlich schnell wieder von selbst ab, sobald man eine einigermaßen ebene Fläche erreicht.

Das Ganze haben wir an drei unterschiedlichen Hügeln ausprobiert. Bei der zweiten Abfahrt hat Joel unterwegs seine Kappe verloren. Ganz der Sportler hat er sich gedacht, er sprintet mal eben die Sanddüne hoch, um diese wieder einzusammeln. Danach wollte er glaube ich brechen.

Sonnenuntergang in der Wüste

Das Highlight der ganzen Tour war für mich der Abschluss. Denn gegen 18:00Uhr fuhr unser Fahrer auf eine abgelegene Düne, stellte den Motor ab und wartete. Und dann ging die Sonne unter und tauchte diese sowieso schon surreale Landschaft in warmes Licht. Das war eines der schönsten Dinge, die ich je gesehen habe. Unweigerlich musste ich an den kleinen Prinzen denken:

“Ich habe die Wüste immer geliebt. Man sitzt auf einer Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Doch etwas leuchtet in der Stille …” – Antoine de Saint Exupéry

Wir haben auf dieser Reise schon einige schöne Landschaften gesehen und ich bin sicher es kommen noch einige dazu. Aber dieser Moment hatte etwas magisches. Jedenfalls bis es mir zu kalt wurde (denn wer auch immer behauptet hat in der Wüste wird es nachts kalt, der hatte wirklich recht).


2 Kommentare zu “Ica

  • Oliver G. 11. November 2018 at 5:11 Antworten

    Hallo Scheherazade und Aladin,

    zuerst hatte ich ganz nach unten gescrollt, wie das so meine Art ist, um zu gucken, ob die Bilder sich auch alle schon geladen haben. Da dachte ich mir: Die sind irgendwo in Kuwait! Oder, Joels T-Shirt nach zu vermuten, in anderen Wüstenemiraten! Dann hatte ich erst die Überschrift mit der 1001 Nacht gelesen, Ihr habt das wieder perfekt in eurem Reisebericht eingefangen 🙂

    Den Steckdosenadapter verloren?! Immerhin habt ihr noch ein Erinnerungsfoto davon … außerdem war der eh schon ein bisschen ausgeleiert 😉 Und wenn das euer erster Verlust ist, geht das noch. Andere Leute verlieren ihre Koffer oder Kinder.

    Ladegerät im Hostel vergessen, ist auch nicht so schlimm. Aber seid ihr denn allen ernstes ohne Solarpanel in die Wüste gefahren?! Da kann man doch so viel Energie mit einsammeln, wie anderorts Pocahontas! Nee, wie heißen die Dinger, ihr wisst schon, die mit dem Handy gejagt werden?! Egal, so häufig viele halt 😀

    Die Durchschnittsgröße in Peru liegt für Männer bei 165 cm, für Frauen bei 153 cm. Die deutschen Frauen sind im Schnitt einen Zentimeter größer als die peruanischen Männer. Hübsches Größenvergleichsselfie, das Joel da von euch geschossen hat 😀

    Künstlich aufgefüllt werden muss auch meine Heizung, also kaum ein Unterschied zu der Oase, eure Enttäuschung kann ich verstehen!

    Welcher Irre rennt denn eine Sanddüne hoch?! Man kennt doch die Szenen aus Star Wars, wo man aus dem Sandtrichter einfach nicht entkommen kann, weil man dann nicht hochrennen kann!

    https://www.youtube.com/watch?v=50TVoUnuwmM

    Der Sonnenuntergang sieht wieder einmal sehr beeindruckend aus, auch wenn es nur Fotos sind, und das Primärerlebnis euch vorbehalten (und herzlich gegönnt) war:)

    Ich freue mich schon sehr auf was auch immer bei euch als nächstes ansteht, bisher bin ich nicht enttäuscht worden 🙂

    Weiterhin gute und schöne Reise!

  • Stefan Sobol 11. November 2018 at 9:39 Antworten

    Hallo ihr zwei.
    Hoffe ihr habt den Wüstentrip gut überstanden. Tja das Erlebniss mit vergessenen oder verlorenen Ladegeräten ist schon sehr ernüchternd.
    Immerhin habt ihr ja problemlos neue kaufen können was mich auch sehr beeindruckt, hätte ich jetzt nicht so erwartet.
    Ist schon sehr unromantisch wenn man erfährt das die Oase künstlich am ” Leben ” gehalten werden muss aber son Wüstentrip in einem Buggy stelle ich mir schon cool vor.
    Allerdings ob man wirklich wegen einer verlorenen Kappe sein inneres fast nach aussen kehren muss, lasse ich mal offen. Ist auf jeden Fall eine Erfahrung die mal logischerweise wahrscheinlich so nicht braucht und da Joel sehr sportlich ist und ich ja nicht möchte ich garnicht wissen wie es mir ergangen wäre……………………..also für die Zukunft, lassen wir das mal besser!!
    Snowboard fahren in der Wüste? Snow heisst doch glaube ich Schnee und da ist ja bekanntlich keiner. Das das aber trotzdem funktioniert ist erstaunlich und das macht wahrscheinlich Mega Spaß.
    Das meine Tochter eine romantische Ader für Sonnenuntergänge hat, habe ich mir gedach.
    Ist wahrscheinlich schon spektakulär wenn sie über den Dünen langsam die kalte Nacht ankündigt.
    So und wie immer habe ich was gelernt, künstliche Oasen gibt es , Snowboard fahren geht auch im Sand,einer verlorenen Kappe rennt man nicht hinterher u.s.w.
    Deswegen wünsche ich noch viel Spaß, passt auf euch auf und merkt euch, nicht alles was wie essbar aussieht ist für europäische Mägen gedacht, deswegen ganz wichtig…………………………BLEIBT GESUND !!!.

    Papa

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